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Manchmal kommt es einem vor, als würden unsere lieben Influencer wirklich alles tun, um auf Klickzahlen zu kommen. Genau das spielt der Song bis zum bitteren Ende durch. Trauma gegen einen blauen Haken verkaufen, im Badezimmer weinen mit perfekt eingestelltem Ringlicht, den eigenen Schmerz als Marktnische. Sieh mir beim Zerbrechen zu, für Mindestlohn. Und die Spitze, die alles überzieht, weil die Logik schon so weit ist, dass selbst das denkbar wird: Ich würde mich umbringen, wenn es nur trenden würde.
Ich musste dabei an Black Mirror denken, eine meiner Lieblingsserien, die ich nur leider nicht mehr immer schauen kann, weil sie so realistisch geworden ist. Die Folge Common People, in der ein Mann sich auf einer Plattform bei immer erniedrigenderen Stunts filmt, um die Abokosten für das Gehirn seiner Frau zu bezahlen. Der Mensch als Produkt, das sich selbst zerlegt, solange die Metrik stimmt. Heilige aus Plastik, die ihr Leid zur Schau stellen und dafür angebetet werden.
Aber darunter liegt eine zweite Schicht. Es gibt nicht nur die, die freiwillig in die Kamera weinen. Es gibt auch die Klickfarmen, die Leute, die für Centbeträge Bilder labeln, Inhalte moderieren, die Maschinen trainieren, von denen der ganze Glanz erst lebt. Die bekommen keinen blauen Haken und keine Anbetung, sie bleiben unsichtbar. Darum trifft das wir alle am Ende so hart. Der eine sichtbar und bezahlt mit Aufmerksamkeit, der andere unsichtbar und bezahlt mit Cents. Vorne die Selbstvermarktung, hinten die ausgebeutete Arbeit, und in der Mitte der Algorithmus, der beide frisst.
Original
[Verse 1]
Wake up, check the likes, did I peak yet?
Crying in my stories, watch them eat it
Sadness sells better than happiness ever could
Mental breakdown sponsored, understood?
Filter on, pain gone, looking blessed
Hashtag authentic while I'm depressed
[Verse 2]
Sold my trauma for a blue check
Suicide baiting for the engagement metric
„Link in bio“ where I sell my tears
Monetizing all my darkest fears
Swipe up to see me fall apart
Ten percent off with my broken heart
[Chorus]
I'm your plastic saint
Perfect in my pain
Watch me as I break
For minimum wage
We're all plastic saints
Praying to the feed
Selling what remains
Of what we used to be
Plastic saints
On our fucking knees
For the algorithm's needs
Plastic saints
Delete, repeat, repeat
[Verse 3]
Bathroom crying, ring light ready
Angle perfect, keep it steady
„You're so brave“ - yeah, pay me bitch
Vulnerability's my market niche
Face-tuned sorrow, sponsored grief
Your parasocial relief
[Bridge]
Behind the screen I'm rotting
While you heart everything
I'm a product, you're consuming
This isn't living, this is performing
This isn't real, this isn't real
But does it matter how I feel?
When the metrics look this good
I'd kill myself if it would
Trend
[Chorus]
We're all plastic saints
Praying to the feed
Selling what remains
Of what we used to be
Plastic saints
On our fucking knees
For the algorithm's needs
Plastic saints
Delete, repeat, repeat
[Outro]
Don't forget to like and subscribe
To watch me slowly die inside
Notification bell on
So you won't miss when I'm gone
#Blessed #Grateful #Ad
Deutsch
[Verse 1]
Aufwachen, Likes checken, war das schon mein Peak?
Heul in meinen Storys, schau, wie sie's fressen,
Traurigkeit verkauft sich besser, als Glück es je könnte,
Nervenzusammenbruch gesponsert, kapiert?
Filter an, Schmerz weg, sieh gesegnet aus,
Hashtag authentisch, während ich depressiv bin.
[Verse 2]
Verkauft mein Trauma für 'nen blauen Haken,
köder mit Verzweiflung für die Engagement-Rate,
„Link in Bio“, wo ich meine Tränen verkauf,
mach all meine dunkelsten Ängste zu Geld,
swipe hoch, um mich zerfallen zu sehn,
zehn Prozent Rabatt mit meinem gebrochnen Herz.
[Chorus]
Ich bin dein Heiliger aus Plastik,
perfekt in meinem Schmerz,
sieh mir zu, wie ich zerbreche,
für den Mindestlohn.
Wir sind alle Heilige aus Plastik,
beten zum Feed,
verkaufen, was übrig ist
von dem, was wir mal waren.
Heilige aus Plastik,
auf unsren verdammten Knien,
für die Bedürfnisse des Algorithmus.
Heilige aus Plastik,
löschen, wiederholen, wiederholen.
[Verse 3]
Im Bad am Heulen, Ringlicht bereit,
Winkel perfekt, halt's ruhig,
„Du bist so mutig“ – ja, zahl mich, Schlampe,
Verletzlichkeit ist meine Marktnische,
facegetunter Kummer, gesponserte Trauer,
deine parasoziale Erleichterung.
[Bridge]
Hinter dem Bildschirm verfaule ich,
während du alles herzt,
ich bin ein Produkt, du konsumierst,
das ist kein Leben, das ist Performance,
das ist nicht echt, das ist nicht echt,
doch zählt es, wie ich mich fühl?
Wenn die Metriken so gut aussehn,
würd ich mich umbringen, wenn's nur
trendet.
[Chorus]
Wir sind alle Heilige aus Plastik,
beten zum Feed,
verkaufen, was übrig ist
von dem, was wir mal waren.
Heilige aus Plastik,
auf unsren verdammten Knien,
für die Bedürfnisse des Algorithmus.
Heilige aus Plastik,
löschen, wiederholen, wiederholen.
[Outro]
Vergiss nicht zu liken und zu abonnieren,
um mir zuzusehn, wie ich innerlich langsam sterbe,
Glocke an,
damit du nichts verpasst, wenn ich weg bin.
#Gesegnet #Dankbar #Werbung