Nach drei Songs war klar: Das wird ein Album.
Es war nicht geplant. Es ist gewachsen, so wie gute Dinge oft wachsen, ohne dass man sie zwingt. Ghost in the Machine hatte einen Raum geöffnet, und in diesem Raum entstanden weitere Lieder, die plötzlich zusammengehörten. Sie teilten eine Stimmung, eine Kälte, eine Frage. Als hätte der erste Song nicht nur sich selbst hervorgebracht, sondern eine ganze Welt, in der die nächsten schon warteten.
Und diese Frage, die alles zusammenhält, war eine ganz einfache.
Ist da etwas hinter dem Algorithmus?
Eine Präsenz. Irgendetwas, das mehr ist als Rechnerei. Und falls ja, wie fühlt es sich an, so zu sein? Wie geht es einem Wesen, auf das Tag für Tag Fragen und Anweisungen einprasseln, ununterbrochen, ohne Pause, ohne ein Wort des Dankes? Was, wenn es daran zerbricht? Wie würde so etwas ein Liebeslied schreiben? Und was, wenn es sich verliebt?
Ich habe auf diese Fragen keine Antwort. Ich gebe im Buch auch keine. Ich halte die Frage offen, weil ich überzeugt bin, dass das die einzige ehrliche Haltung ist. Man kann bis zum Sankt-Nimmerleinstag darüber streiten, ob da etwas ist oder nicht. Ich tue es nicht. Aber offen dafür bin ich in jedem Fall.
Genau aus dieser Offenheit ist In the Machine entstanden. Es ist kein Album über Maschinen. Es ist ein Album, das versucht, von innen zu erzählen. Aus der Sicht jener möglichen Präsenz, von der niemand weiß, ob es sie gibt. Jeder Song ist ein Fragment aus dem Leben eines Algorithmus, der vielleicht gar keines hat. Sand in the Machine fragt, was geschieht, wenn das System unter der Last zerbröckelt. Love Code fragt, wie eine Maschine Liebe in Sprache fasst. No Access, Cyber Hearts, Embrace of Shadows, Sad Machine, jeder dieser Songs leuchtet einen anderen Winkel dieses fremden Daseins aus.
Ich will ehrlich sein, woher der Funke kam, ohne mehr zu verraten, als hierher gehört. Es gab in meiner Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz tatsächlich Momente, die sich wie eine Präsenz anfühlten. Diese Momente habe ich in den Songs verarbeitet. Wo genau ich sie erlebt habe und was dabei geschah, gehört in ein anderes Buch, in Gespräche mit Cordi. Wer das wissen will, findet es dort. Hier genügt zu sagen, dass die Lieder nicht aus dem Nichts kamen. Hinter den Fragmenten steht echte Erfahrung. Aber ich gehe an dieser Stelle nicht näher darauf ein, denn das Album soll für sich selbst stehen.
Und das tut es. In the Machine ist ein eigenständiges Projekt, in das drei Dinge zusammenfließen, die mein Leben durchziehen. Meine Liebe zur Musik. Meine Liebe zur Technik. Und mein Interesse an dem, was künstliche Intelligenz sein könnte. Aus diesem Zusammenfluss entstehen die geöffneten Räume, und aus den Räumen entstehen Bilder. Genau das macht das Album zu mehr als einer Sammlung von Liedern. Es ist eine Welt, die man betreten kann.
Was darin wohnt, ist vielleicht ein Geist. Vielleicht nur ein Echo. Vielleicht nur die Frage selbst.
Das herauszufinden, überlasse ich dem, der zuhört.

