no access

Manche Lieder muss man sich nicht ausdenken. Man muss sie nur erleben.

2022 sind wir nach Wittenbeck gezogen. Ich betreibe eine Internet-Agentur. Mein Geld verdiene ich online, mit Webseiten, mit allem, was eine schnelle, stabile Verbindung braucht. Das Erste, was ich nach dem Umzug tat, war daher das Naheliegendste überhaupt. Ich bestellte Glasfaser.

Es dauerte drei Jahre, bis wir sie hatten.

Drei Jahre. Ein Mann mit einer Internet-Agentur, der aufs Land zieht und dann ohne anständiges Internet dasitzt. Der Schuster mit den schlechtesten Leisten, nur in digital.

Die ersten anderthalb Jahre war ich bei der Telekom. Versprochen waren zweiunddreißig Megabit. Geliefert wurden fünf. Wer online arbeitet, weiß, was das bedeutet. Es bedeutet Warten. Zusehen, wie sich Ladebalken füllen. Verbindungen, die mitten in der Arbeit abbrechen. Es gab Zeiten, in denen ich wirklich dachte, ich drehe durch.

Irgendwann reichte es mir, und ich schwenkte auf Starlink um, das Satelliteninternet. Schüssel aufgestellt, ausgerichtet, eingeschaltet. Nach fünfzehn Minuten Installation hatte ich achtzig Megabit. Das Internet fiel mir buchstäblich vom Himmel, nachdem es am Boden drei Jahre lang nicht zu bekommen war. Heute habe ich Glasfaser, im Schnitt hundert Megabit. Aber der Weg dorthin führte vom Funkloch über den Erdorbit.

Mitten in dieser Zeit entstand No Access. Und der Song hat mir tatsächlich über das Leid hinweggeholfen. Ich konnte an der Lage nichts ändern. Drei Jahre Wartezeit auf Glasfaser ändert man nicht durch Fluchen. Also habe ich den Frust in ein Lied gepackt.

Der Text erzählt genau das, in kleinen Szenen. Jemand ruft an, das Datenvolumen ist leer, man kann nicht helfen, die Verbindung bricht ab. Eine ganze Stadt ohne Zugang. Es gibt nirgends Internet in diesem Ort. Das ist nicht erfunden, das war mein Alltag.

Aber das Lied bleibt nicht beim Jammern. Es dreht die Sache um, und genau darin liegt seine kleine Weisheit. Aus dem Fluch wird ein Segen. Wer hier ist, hat kein Signal, also auch keine ständige Erreichbarkeit, keinen Dauerstress, kein Immer-online-Sein. Seligkeit oder Hölle, heißt es im Text, sei schwer zu sagen. Betrachte es als Zen. Das No Access wird zur erzwungenen Stille, und die ist vielleicht gar nicht das Schlechteste. Es ist der einzige Song auf dem Album, der die digitale Welt nicht als Bedrohung zeigt, sondern das Abgeschnittensein als heimliche Erleichterung.

Musikalisch ist No Access denkbar einfach. Im Kern sind es zwei Akkorde. Mehr braucht es nicht. Gerade diese Schlichtheit macht ihn stark. Er trägt seinen Frust und seinen Galgenhumor ohne jeden Schnörkel, so direkt und trocken, wie die Sache eben war. Ein simpler Song über ein simples Problem, das mich fast um den Verstand gebracht hätte. Und der mir geholfen hat, es mit einem Grinsen zu überstehen.

Info

Der autobiografischste Song des Albums: drei Jahre Warten auf Glasfaser in Wittenbeck — vom Telekom-Funkloch über Starlink bis zur Leitung.

Der einzige Song des Albums, der die digitale Welt nicht als Bedrohung zeigt: Das Abgeschnittensein wird zur erzwungenen Stille. Betrachte es als Zen.

Musikalisch bewusst schlicht — im Kern zwei Akkorde.

Original

[Verse 1]
She called and said „I’m out of data“
Sorry I couldn’t help her
Said she called up the provider
Then we got disconnected

[Pre-Chorus]
Must be frustrating to be
In a wireless zone that doesn’t
Have signal of any kind
When you come see me hello
You’ve entered a portal so
Consider pocket WiFi okay

[Chorus]
There is nowhere to access the Internet in this whole town

[Verse 2]
And she called and said „I’m out of data“
Sorry I couldn’t help her
Said she called up the provider
When she visits she never gets
Interference there’s bliss at last
An excuse not to and an excuse not to…

[Pre-Chorus]
Must be frustrating to be
In a wireless zone that doesn’t
Have signal of any kind
Bliss or hell is hard to tell
You’ve entered a portal so
Consider it zen
When you come see me hello
You’ve entered a portal so
Consider pocket WiFi okay

[Outro]
There is nowhere to
Connect to
Connect to

Deutsch

[Verse 1]
Sie rief an und sagte: „Mein Datenvolumen ist leer“
Tut mir leid, ich konnt ihr nicht helfen
Sagte, sie hätte beim Anbieter angerufen
Dann wurde die Verbindung getrennt

[Pre-Chorus]
Muss frustrierend sein,
in einer Funkzone zu sein, die kein
Signal hat, keinerlei
Wenn du mich besuchst, hallo
Bist du durch ein Portal getreten, also
Denk über mobiles WLAN nach, okay

[Chorus]
Es gibt nirgends Zugang zum Internet in dieser ganzen Stadt

[Verse 2]
Und sie rief an und sagte: „Mein Datenvolumen ist leer“
Tut mir leid, ich konnt ihr nicht helfen
Sagte, sie hätte beim Anbieter angerufen
Wenn sie zu Besuch kommt, bekommt sie nie Störung, da ist endlich Seligkeit
Ein Vorwand, es nicht zu tun, und ein Vorwand, es nicht zu…

[Pre-Chorus]
Muss frustrierend sein,
in einer Funkzone zu sein, die kein
Signal hat, keinerlei
Seligkeit oder Hölle, schwer zu sagen
Bist du durch ein Portal getreten, also
Betracht es als Zen
Wenn du mich besuchst, hallo
Bist du durch ein Portal getreten, also
Denk über mobiles WLAN nach, okay

[Outro]
Es gibt nirgends
Es gibt nirgends
sich zu verbinden
sich zu verbinden

Song-Variationen

  1. 01OriginalCordi Nox2025
    Album-Fassung
    Die Albumfassung von In the Machine, erschienen im Februar 2025.Erschienen auf In the Machine